Eine Stadt hat viele Gesichter
Welches Gesicht eine Stadt zeigt, hängt davon ab, mit welchen Augen man sie betrachtet. Ein Tourist sieht eine andere Stadt als ein Einheimischer, ein Autofahrer eine andere als ein Fahrradfahrer, ein Fußgänger oder ein Verkehrspolizist. Ein Architekt sieht eine andere Stadt als ein Immobilienmakler, auch wenn sich beide mit Gebäuden beschäftigen.
Eine Stadt hat viele Modelle
Bei einem Modell kommt es nicht unbedingt darauf an, die Realität möglichst genau zu treffen, sondern darauf, das Wesentliche aus der Fülle des Unwesentlichen hervorzuheben und dadurch erst sichtbar zu machen. Was das Wesentliche ist, hängt vom Blickwinkel des Betrachters ab. Für den Fahrer eines Reisebusses ist das Halteverbotsschild vor einer touristischen Sehenswürdigkeit viel wichtiger als die Sehenswürdigkeit selbst. Für die Touristen in seinem Bus ist das genau umgekehrt. Ein Architekt interessiert sich vielleicht für den Baukörper oder die Fassade eines Gebäudes, ein Feuerwehrmann für die Fluchtwege, für den Stadtplaner ist die Infrastruktur oder die soziale Struktur eines Stadtviertels viel wichtiger als das einzelne Gebäude.
Eine Stadt hat viele Modelle, die jeweils einen anderen Begriff vom "Wesentlichen" haben und auch Dinge zeigen, die dem bloßen Auge verborgen bleiben. In der Welt der 2D-Karten ist das längst Realität. In thematischen Karten zeigt man Informationen und Strukturen jenseits der unmittelbar wahrnehmbaren Realität durch Piktogramme, Einfärbungen, Balkendiagramme und weitere Darstellungsformen.
Eine Stadt hat nicht ein Stadtmodell, das einmal erstellt und dann in gewissen Abständen aktualisiert und fortgeführt wird. Eine Stadt hat Daten. Das sind Daten über Gebäude und deren Geometrie, aber es sind auch Fachdaten mit Raumbezug, die oft viel wichtigere Informationen enthalten als die Geometrie. Führt man die Geometrie und die Fachdaten in einer Darstellung zusammmen, erhält man 3D-Modelle in einer neuen Qualität. Unterlegt man zum Beispiel das 3D-Gebäudemodell einer Stadt mit dem Flächennutzungsplan, so erhält man in dieser Kombination ein neues Modell, dessen Nutzen für Stadtplaner oder Investoren unmittelbar einsichtig ist. Überträgt man dieses Modell über das Internet, so kann sich ein potentieller Investor auf einen Blick aus der Ferne ein Bild von der Lage und den Nutzungsmöglichkeiten einer Immobilie vor Ort machen.
Thematische Stadtmodelle
Es gibt zahlreiche Anwendungen von 3D-Stadtmodellen im kommunalen wie im gewerblichen Umfeld. Zum Beispiel ermöglichen 3D-Stadtmodelle völlig neuartige Prozesse der Kommunikation und Informationsvermittlung zwischen einer Kommune und ihren Bürgern. Prozesse zur Meinungsbildung und Entscheidung über geplante städtebauliche Veränderungen können über das Medium "Stadtmodell" mit größerer Transparenz und Bürgernähe gestaltet werden. Der einzelne Bürger kann die Veränderungen in verschiedenen Varianten mit ihren Auswirkungen auf sein unmittelbares Wohnumfeld interaktiv erkunden und so frühzeitig in laufende Entscheidungsprozesse eingebunden werden. Die gesellschaftliche Entwicklung der letzten Jahre zeigt, dass der Bürgerbeteiligung an kommunalen Entscheidungsprozessen eine immer größere Bedeutung zukommt.
Um die Vision von den vielen thematischen Modellen einer Stadt Realität werden zu lassen, benötigt man:
- Software, um aus den Daten einer Kommune jederzeit neue Modelle oder Teilmodelle erzeugen zu können, die Geometrie- und Fachdaten zu neuen Ansichten verknüpfen.
- Eine Technologie, um Geometrie und Fachdaten auf Anfrage mit dem notwendigen Zugriffsschutz in Echtzeit über das Internet zu übertragen.
- Viewer und Fachanwendungen, die die Geometrie- und Fachdaten auf der Anwenderseite mit umfassenden Analyse-, Abfrage- und Darstellungsmöglichkeiten verarbeiten und präsentieren.
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